Unzensiertes aus Finanzwelt und Politik
Donnerstag März 18th 2010

Google und der Navigations-Markt

Ob es Google seinem selbsternannten Ziel namens “Weltherrschaft” ein Stück näher bringt, werden wir in wenigen Jahren zu beurteilen wissen. Tatsächlich aber revolutioniert Google mal wieder die Welt mit einem neuen Business-Model “less than free” (auf deutsch: weniger als kostenlos). Genauer gesagt, bringt es die Welt der Navigationssysteme zur Zeit ordentlich durcheinander.

Der gesamte Markt geografischer Daten, also solcher Daten, die für Punkt-zu-Punkt-Verbindungen geeignet und damit navigations-tauglich sind, wird aktuell gehörig durcheinander geworfen.

Googles letzte Meldung, künftig kostenlos mit Google Maps und im Rahmen seines Handy-Betriebssystem Android, Navigations-Software anzubieten, zerstörte Börsenwert in Höhe von mehreren Milliarden Dollar. Alle Anbieter von Navigationsgeräten, vor allem die beiden Global Player Nokia und TomTom verloren zweistellig.

Was bedeutet dies für den Markt?

Google bietet mit Android ein Betriebssystem für mobile Geräte an, das sowohl als Open Source Variante als  auch in kommerzieller Lizenz vorliegt. Die führenden Anbieter von Punkt-zu-Punkt-Navigation waren bis 2007 Tele Atlas und Navteq. Erstere lieferten auch an Google den Kartenbestand für den hauseigenen Dienst “Maps”. Hier durfte eine deutliche Summe an Geld geflossen sein. Tele Atlas wurde von Tom Tom für 2.7 Milliarden USD aufgekauft, Nokia schnappte sich NavTeq für ca. 8 Milliarden Dollar!

Damit oblag Nokia und TomTom bislang ein Quasi-Monopol von Navigationstauglichen geografischen Daten. Es gibt zwar weitere Anbieter von GPS-Daten, aber speziell die Punkt-zu-Punkt-Variante wird von Nokia und TomTom abgedeckt.

Google bekam dieses Duopol der beiden Anbieter am Kartenpreis deutlich zu spüren, und begann vor einigen Jahren, selbst GPS Daten einzusammeln. Dies passte ganz gut mit dem ebenfalls hauseigenen – allerdings umstrittenen – Dienst “StreetView”  überein. Da für  “Google Streetview” eh schon genug Opel-Astras durch die Gegend fuhren, um Fotos der Straßen für den Kartendienst anzufertigen, wurden direkt noch fahrtaugliche GPS-Daten gesammelt. Nun ist es so weit, Google traut sich in einer ersten Beta-Phase an den Markt: kostenlos!

Wenn Sie also gerade planen, einen eigenen Navigationsdienst zu errichten oder ein mobiles Gerät zu entwickeln, das nebenher auch Navigationsdienste anbieten könnte, so sollten Sie umgehend einen Produkt-Manager von Google-Maps anrufen. Google liefert Ihnen das inzwischen marktreife Betriebssystem, als auch die Karten, als auch die gesamte Navi-Software. Würden Sie alle drei Komponenten selbst entwickeln wollen, benötigten Sie ganze Herrschaften adretter Inder in der Informatik-Abteilung und einen Haufen Asche, um das ganze über Jahre hinweg zu finanzieren. Selbst gekauft wären 2-stellige Millionen Summen nötig!

Warum verschenkt Google den Dienst? Google verschenkt nichts. Google verdient an Anzeigen, die dem Kartenmaterial beiliegen. Und Google schlägt Ihnen vor: verdienen Sie doch auch an den Anzeigen! Setzen Sie unsere Software und unsere Infrastruktur ein, und verdienen Sie mit uns Geld.

Das sagt Ihnen Google. Less Than Free. Nix bezahlen, und beide Seiten verdienen daran. So schlau war vorher keiner. Mal gucken, ob es funktioniert.

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